Vom Büro unter Palmen

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Digitales Arbeiten / iPad / Reisen


Varkala, Odayam Beach, India

„Wherever I lay my iPad, that’s my office”

Der reisende Digital-Arbeiter findet auch im Süden Indiens die notwendige Grundausstattung vor. Die Wi-Fi Versorgung ist ausreichend. Die täglichen Stromausfälle halten sich in zumutbaren Grenzen.

Somit sitze ich nun unter Palmen, schaue auf den indischen Ozean hinaus, sehe dann und wann einen Delfin vorbeiziehen und denke mir: „Eigentlich ziemlich klasse. Du kannst Dich an die schönsten und spannendsten Orte der Welt begeben und trotzdem relativ problemlos Deinem Job nachgehen.“

Zugegeben, Sätze wie „Kommste mit ins Wasser?” stören hin und wieder die Konzentration. Aber ansonsten finde ich E-Mails unter Palmenblättern zu beantworten eigentlich sehr in Ordnung. Auch das Texten und Konzipieren geht trotz 33 Grad im Schatten gut und flott von der Hand. Der Blick aufs Meer inspiriert.

Noch ein Vorteil: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Die Ost-West Zeitverschiebung macht einen automatisch zum „Frühaufsteher“. Viereinhalb Stunden Vorsprung von Indien auf Deutschland. Da kann man morgens schon mal gut für den Kunden vorlegen.

Während ich also gerade dabei bin, mir mein zukünftiges Arbeitsleben als Abfolge von Aufenthalten in verschiedenen Urlaubspardiesen auszumalen, beschleicht mich ein anderer, der Sonnenseite abgewandter Gedanke: „Florida Rolf-Gefahr!“

Wir erinnern uns. Lebenskünstler Rolf, der es irgendwie geschafft hatte mit finanzieller Unterstützung der deutschen Sozialhilfe, viele Jahre erwerbslos im US-Bundesstaat Florida zu verbringen. „Florida Rolf“ wurde dann aber investigativ von BILD „enttarnt“ und mittels einiger Titelseitenschlagzahlen wieder zurück nach Deutschland beordert.

Würde ich es also im trüben, nasskalten deutschen Winter im umgekehrten Fall begrüßen, wenn einer meiner Partner mir zurufen würde: „Hey, ich sitze gerade unter subtropischer Sonne, lausche dem Tosen der gewaltigen Wellen und schlürfe einen frischgepressten Ananassaft. Die gewünschten Unterlagen habe ich Dir übrigens gerade geschickt.“ Hm…, ich weiß nicht. Da kommt doch ein wenig Missgunst auf. Der kann die knifflige Aufgabenstellung wahrscheinlich noch so sehr zu aller Zufriedenheit gelöst haben. Ich glaube, da bräuchte ich ehrlich gesagt ein wenig Eingewöhnungszeit, bis ich das wohlwollend total prima finden würde.

Aber eigentlich auch Quatsch! Den Unternehmensfreunden in Miami oder Tel Aviv wirft man ja auch nicht vor, dass sie es die überwiegende Zeit im Jahr schön warm haben und fast jeden Tag ins Meer springen können, wenn sie denn wollen. Überdies wären im Fall Indien die Lebenshaltungskosten geringer als in der Heimat. So gesehen, könnte man als erwerbstätiger „Goa-Rolf“ seine Leistung sogar preisgünstiger anbieten.

Also was jetzt? Schneematsch oder Sandstrand? Das Fingerspitzengefühl sagt mir: Belassen wir es doch einfach bei der voreingestellten E-Mail-Signatur des iPad. Das schlichte und leicht wichtigtuerische „Sent from my iPad / Von meinem iPad gesendet“ überlässt es der Imaginationskraft des Empfängers, den Entstehungsort der digitalen Leistungserbringung zu bestimmen: ICE, Abflughalle, Hotellobby, Starbucks, Büro, heimisches Sofa, Palmenstrand? Wenn die Leistung stimmt, who cares?

Sent from my iPad

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